Pressemitteilungen aus Bad Salzuflen:

Freiluft-Inhalatorium für Allergiker


04/2016 - Bad Salzuflen. Meine Leidenszeit beginnt im Hochsommer, wenn Gräserpollen sich ihren Weg durch die Lüfte bahnen. Während andere dann vergnügt im Biergarten sitzen, verstecke ich mich gelegentlich lieber im dunklen Keller. Denn da fällt einem Pollenallergiker das Atmen etwas leichter.

Als Kind hatte Allergie dennoch Vorteile: Regelmäßige Urlaube am Meer waren aus Therapiegründen unverzichtbar. Als Erwachsener kommt man nicht mehr so oft in den Genuss - zumindest lädt einen keiner mehr dazu ein. Also müssen Alternativen her, die gegen Triefnase und geschwollene Augen helfen. Zum Beispiel die Gradierwerke. Mit ein wenig Fantasie könnten die drei langen Bauwerke in der Parkstraße auch als Korallenriffe durchgehen. Zumindest ähneln die imposanten Wände aus Schwarzdornbündeln rein äußerlich den unterseeischen Kolonien. Staatsbad-Pressesprecher Oliver Siekmann will mich an diesem Morgen von der heilenden Kraft der Sole überzeugen. Es ist mein erster Besuch – und das, obwohl ich von Kindesbeinen an durch Lippe turne. „Unsere Besucher sind zu zwei Dritteln Kurgäste", sagt Siekmann. Ob daneben auch viele Salzufler das Angebot regelmäßig nutzen, lasse sich nicht genau sagen.

Den Damen im Kassenhäuschen scheint es jedenfalls ziemlich gut zu gehen. „Die sind immer gesund. Wer ewig leben will, sollte hier arbeiten", scherzt Siekmann. Knapp 600.000 Liter Sole rieseln täglich über die mächtigen Schwarzdornwände – und erzeugen dabei eine leichte Meeresbrise. Auf natürliche Weise entsteht so ein riesiges Freiluft-Inhalatorium.

Das Gradierwerk am Kurparkeingang ist begehbar. Im Inneren herrscht Ruhe. Durch die verschachtelten Holzkonstruktionen brechen vereinzelte Sonnenstrahlen in das erlebbare Werk, an den Geländern sammeln sich Salzreste aus der Luft – so könnte man sich ein tropisches Baumhaus vorstellen. „Im Sommer ist es hier angenehm kühl", verrät Siekmann. Der perfekte Ort für Heuschnupfengeplagte also.

Bis zu 200 Besucher erkunden das salzige Bauwerk täglich zur Hochsaison, ein besonders beliebter Ort ist die Sole-Nebelkammer. Hier ist die Luft so salzhaltig, dass es spürbar wird. Hinter der unscheinbaren Tür bricht eine Nebelwand auf, der Raum selbst ist in orangegelbes Licht getaucht. Musik läuft gerade nicht, dafür trägt das leise Brummen der Inhalatoren zur Atmosphäre bei. Maximal 20 Minuten sollte man sich im Nebel aufhalten. „Das sind Richtwerte, auf die wir hinweisen müssen", sagt Siekmann. Vergessen wurde in der Kammer bisher allerdings niemand: „Jeden Abend kehrt jemand durch."

Dabei würde sich der Raum nahezu perfekt als langfristige Rückzugsmöglichkeit eignen. Beim Blick an die Decke zeichnen sich ein Sternenhimmel ab. Die salzhaltige Luft atmet sich angenehm – nicht annähernd so penetrant wie in meiner Vorstellung. Trotzdem ist mir beim Verlassen der Kammer etwas schwummrig. So viel gesunde Luft scheint der Körper nicht gewohnt zu sein.

Zum Abschluss gehen wir die hölzernen Stufen zwischen den Schwarzdornbüschen hinauf, denn das Erlebnisgradierwerk hat auch etwas fürs Auge zu bieten. Von der Plattform aus hinterlässt der weite Blick auf Kurpark und Parkstraße einen bleibenden Eindruck. Atemberaubend – könnte man fast sagen. „Die Touristen lieben den Ausblick", sagt Siekmann. Und auch Lipper würden ihn genießen, denke ich.

Am Kassenhäuschen steht derweil eine 20-köpfige Besuchergruppe bereit. Manchmal verirren sich sogar Schulklassen ins Gradierwerk. „Für Kinder ist der Prozess der Solegewinnung sehr spannend", weiß Siekmann. Ich beschließe, gerade in der Gräserpollenzeit hier öfters Zuflucht suchen. Es sei denn, ich liege gerade am Strand.

Sole hat eine heilende Wirkung

Die Sole ist ein Multi-Talent. Ob als Getränk, als Badezusatz oder Inhalationsmittel – die salzige Lösung scheint ein Allerheilmittel zu sein. Doch welche Art der Anwendung ist eigentlich am besten geeignet? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Es kommt immer auf die Symptome an, die gelindert werden sollen. Für die Atemwege: Ob in der Nebelkammer des Erlebnisgradierwerkes oder auf den Bänken davor – solehaltige Luft verbessert die Gesamtfunktion der Atemwege. Bei Erkältungen wirkt sie schleimlösend, bei Entzündungen und Allergien lindernd. Die Inhalation ist vergleichbar dem Aufenthalt in der Brandungszone am Meer, wo Salzwasser in kleinsten Tröpfchen über die Luft in die Atemwege transportiert wird.

Für den Magen: In der Konzerthalle des Kurparks (im Sommer in der Wandelhalle) können Besucher ein Glas Sole-Heilwasser kosten, das einige positive Effekte zu bieten hat. Die Mineralstoffe regen beispielsweise sowohl den Stoffwechsel als auch die Magentätigkeit an. Außerdem sollen bei einer Trinkkur die Nierenfunktionen verbessert, das Immunsystem gestärkt sowie der Körper entschlackt werden. Aber Vorsicht: Hier gilt die Devise: Weniger ist mehr. Eine zu hohe Salzaufnahme kann Herz und Kreislauf belasten. In der Kategorie Geschmack würde das Solewasser übrigens eher hintere Plätze belegen.

Für die Haut: In Bad Salzuflen kann auch in der Thermasole gebadet werden. Das salzige Wasser mildert Hautkrankheiten wie Neurodermitis oder Schuppenflechte. Außerdem wirkt ein Solebad sich positiv auf Muskel- und Gelenkprobleme aus. Ebenfalls können Verspannungen gelöst werden.

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